Via Podiensis

Via Podiensis: Karte

Via Podiensis Karte
Via Podiensis Karte, Von Hk kng – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3887804

Via Podiensis: Wegbeschreibung

Die Via Podiensis ist der beliebteste und älteste Jakobsweg in Frankreich. Er führt von Le Puy-en-Velay in der Auvergne bis zu Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen, wo es auf dem Camino Francés weiter bis Santiago de Compostela geht.

Der Pilgerweg ist 760 Kilometer lang und umfasst 29 Etappen. Sie sind zwischen 15 und 33 Kilometer lang. Die Gehzeit liegt zwischen 4 und 10 Stunden. Er ist technisch nicht besonders anspruchsvoll. Die letzten Etappen durch die Pyrenäen erfordern jedoch Kondition.

Die Via Podiensis gilt als der landschaftlich reizvollste Jakobsweg in Frankreich. Der Weg führt durch Vulkanlandschaften, Kalksteinformationen, Schwemmlandschaften und die Pyrenäen.

Auch architektonisch ist der seit dem 12. Jahrhundert bekannte Jakobsweg interessant. In Le Puy-en-Velay begeistert die monumentale Kathedrale, in Conques eine historische Abtei und in Moissac ein beeindruckender Kreuzgang.

Die Via Podiensis ist durchgehend mit der Jakobsmuschel gekennzeichnet. Gleichzeitig ist der Pilgerpfad Teil des französischen Fernwanderwegs GR 65, der blau-rot markiert ist.

Die Übernachtung stellt kein Problem dar. Es gibt auf der gesamten Länge des Weges Pilgerunterkünfte und Wanderherbergen, die zwischen 10 und 25 Euro kosten. Auch in Klöstern ist eine Übernachtung möglich.

 

Via Podiensis Etappen

Auf fernwege.de gibt es eine Übersicht über die Etappen mit Angaben der Länge.

Es sind einige Tagestouren über 30 Kilometer dabei, viele jedoch darunter. Eine gute Vorbereitung sollte auf alle Fälle sein. 

Auf der französischsprachigen Website podiensis.com gibt es detailliertere Angaben zu den Etappen. Hier kannst du GPS-Tracks herunterladen

Via Podiensis Herbergen 

Die Website Jakobus Franken bietet einen Download der Pilgerunterkünfte an. 

Auf der oben genannten Website podiensis.com findest du zu jeder Etappe mehrere Unterkünfte. Preislich bewegen sich kommunale Pilgerherbergen (gîte d’étape) zwischen 15 und 20 €, einige darunter, manche darüber. Privatzimmer (chambre d’hôtes) sind teurer, dafür gibt es auch Angebote, bei denen die Übernachtung kostenlos ist. In der Regel sind Spenden erwünscht.

Weitere Informationen finden sich in den Reiseführern, siehe nächster Abschnitt. 

Via Podiensis Reiseführer

Zur Via Podiensis gibt es neben französischsprachigen Büchern auch zwei deutschsprachige, und zwar vom Rother Verlag und vom Conrad Stein Verlag

Via Podiensis Erfahrungen

Zur Via Podiensis findest du viele Erfahrungsberichte im Netz. Ich verzichte darauf, welche herauszupicken. Im Buchhandel erhältst du auch Bücher über diesen Weg, zum Beispiel den Bericht von der bekannten Reiseschriftstellerin Carmen Rohrbach. Sie lief die Via Podiensis mit einem Esel. 

 

Via Podiensis: Sehenswerte Orte

Le Puy-en-Velay

Am Startpunkt der Via Podiensis fällt vor allem die romanische Kathedrale Notre Dame auf, denn sie liegt erhaben an einem erloschenen Vulkankegel. Hier beginnen die Pilger traditionell ihre Wallfahrt. Auf der Spitze des Berges steht die Statue Notre-Dame de la France. 

Auf einem weiteren Vulkankegel am Rande der Stadt steht noch eine uralte Kirche, die dem Heiligen Michael auf der Nadel geweiht ist. 

Neben einer beeindruckenden historischen Altstadt, die auch Pilgerherbergen und eine Jugendherberge anbietet, ist Le Puy für folgende kulinarische Spezialitäten bekannt:

  • die grünen Linsen von Le Puy
  • Verveine du Velay: ein alkoholisches Getränk, hergestellt aus der Zitronenverbene
  • Maurin: Apéritif aus Kirschen, Mandeln und Chinarinde
Spezialitäten aus Le Puy-en-Velay

Spezialitäten aus Le Puy-en-Velay, von Marianne Casamance — eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34978691

Conques

Kurz vor Conques durchqueren die Pilger eine Schlucht, die der Fluss Dourdou de Conques im Laufe der Jahrtausende geschaffen hat. Im kleinen Ort Conques, das zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählt, wartet die Klosterkirche Sainte-Foy auf dich.

Das romanische Gotteshaus ist eine der berühmtesten Sakralbauten Frankreichs und ist seit dem Mittelalter eine bedeutende Station der Jakobspilger. Schau dir unbedingt das Tympanon im Giebeldreieck an, denn es steckt voller Geschichten.

Tympanon der Klosterkirche von Conques

Tympanon der Klosterkirche von Conques – Von Jean-Pol GRANDMONT – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=113087

Faszinierend ist zudem die Statue der Heiligen Fides, einer Märtyrerin aus dem 4. Jahrhundert, die in jugendlichem Alter auf glühendem Rost gefoltert wurde. Die ältesten Teile des Kunstwerks stammen wohl aus dem 4. Jahrhundert, der Großteil aus dem 10. Jahrhundert. Auf jeden Fall kommst du in dieser Kirche aus dem Staunen nicht heraus. 

Statue der Heiligen Fides

Statue der Heiligen Fides – gemeinfrei, Wikipedia

Zudem gibt es in Conques eine mittelalterliche Pilger-Brücke, die über den Dordou führt. 

Figeac

In Figeac steuern Pilger die Kirche Saint-Sauveur an, einst eine Benediktinerabtei. Außerdem gibt es Obelisken, „Nadeln“ genannt. Keiner weiß, wozu sie einst gedient haben. Zudem stammen viele Häuser in der Stadtmitte noch aus dem Mittelalter. 

Altes Haus in Figeac

Altes Haus in Figeac, von Daniel CULSAN — eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44346470

Figeac habe ich jedoch aus einem anderen Grund in diesen Artikel aufgenommen. Denn ich möchte dir diesen Herrn zeigen:

 

Francois Champollion

Francois Champollion, Von Léon Cogniet – Musée du Louvre, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55198613

Francois Champollion erblickte im Jahre 1790 im beschaulichen Figeac das Licht der Welt. 

Er sollte der berühmteste Ägyptologe werden, der jemals auf Erden gewandelt hat. 

Denn er war es, der den Stein von Rosetta entschlüsselte. Erst seit dieser Leistung ist es uns möglich, die ägyptischen Hieroglyphen zu lesen. 

Cahors

Cahors ist vor allem für seine Brücke bekannt, den Pont Valentré. Über sie verließen die mittelalterlichen Pilger die Stadt. 

 

Brücke Valentré in Cahors

Die Valentré-Brücke in Cahors, von Original téléversé par Accrochoc sur Wikipédia français. — Transféré de fr.wikipedia à Commons par Natl1 utilisant CommonsHelper., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5012642

Wie in vielen anderen Orten an der Via Podiensis auch, gab es im Mittelalter mehrere Pilger-Hospize. Mancherorts sieht man noch Reste, doch der Großteil ist im Laufe der Jahrhunderte verschwunden. 

Leon Gambetta, ein Staatsmann im 19. Jahrhundert, war ein Sohn der Stadt. Nach ihm sind in Frankreich viele Straßen und Schulen benannt. 

Moissac

In diesem Ort gibt es eine ehemalige Benediktiner-Abtei aus dem 12. Jahrhundert. Im Gegensatz zu vielen anderen Abteien ist sie hervorragend erhalten. 

Hier kannst du wie einst die Mönche durch die Kreuzgänge schlurfen und die kunstvoll behauenen Kapitelle bewundern. 

Benediktinerabtei in Moissac

Benediktinerabtei in Moissac, Von Abxbay – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027

La Romieu

Ja, auch hier gibt es eine uralte Kirche, doch hat das Örtchen noch etwas anderes zu bieten: 

An den Häusern rund um den zentralen Platz finden sich einige Katzenskulpturen, wie du auf diesen Bildern sehen kannst:

Eine Katzenskulptur auf einer Säule in La Romieu

Katzenskulptur in La Romieu, Par René Hourdry — Travail personnel, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63507006

Katzenskulptur in La Romieu
Katzenskulptur in La Romieu, Par René Hourdry — Travail personnel, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63507005
Katzenskulptur in La Romieu
Eine Katzenskulptur in einer Nische in La Romieu, Par René Hourdry — Travail personnel, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63507008

Hintergrund dieser Skulpturen ist die Legende der Katzen:

Einst gab es in La Romieu eine Hungersnot. Die Bewohner aßen in ihrer Not alle Katzen auf. Doch ein junges Waisenmädchen, Angéline, konnte ein Katzenpärchen retten und verstecken.

Als die Hungersnot vorbei war, gab es ein anderes Problem: Da die Bewohner alle Katzen aufgegessen hatten, gab es unglaublich viele Ratten, die sich daran machten, die gesamte Ernte aufzufressen.

Da ließ Angéline den Nachwuchs ihres versteckten Katzenpärchens frei, die die Ratten fraßen, sicherte damit die Früchte des Feldes und bewahrte La Romieu vor einer erneuten Hungersnot.

Im Laufe der Zeit ähnelte Angéline immer mehr einer Katze, wie du an dieser Skulptur sehen kannst:

Skulptur von Angéline in La Romieu
Skulptur von Angéline in La Romieu, Par René Hourdry — Travail personnel, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63506998

Condom

Ja, die Gemeinde heißt wirklich so. Und alle deutschen Pilger fotografieren das Ortsschild.

Bekannt ist die Gemeinde eher für seinen Weinbrand, denn sie liegt in der Provinz Armagnac. In Condom ist dem weltweit bekannten Gebräu ein eigenes Museum gewidmet.

Außerdem wird hier Stopfleber (foie gras) hergestellt.

Fans des Schriftstellers Alexandre Dumas finden auf dem Place Saint-Pierre eine moderne Skulptur von d’Artagnan und den drei Musketieren.

d'Artagnan und die drei Musketiere
d’Artagnan und die drei Musketiere, Par René Hourdry — Travail personnel, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63257899

Anschließend geht es weiter durch ländliche Gebiete, bis die Pilger in Saint Jean-Pied-de-Port das Ende der Via Podiensis und den Ausgangspunkt des Camino Francés erreichen.

Fazit

Die Via Podiensis ist reich an kulturellen Hinterlassenschaften. Allerortens siehst du bis zu 1000 Jahre alte Sakralbauten, Häuser aus dem Mittelalter und alte, steinerne Brücken, über die schon die ersten Pilger gingen.

Dazu kommt die einzigartige Landschaft, die im Zentralmassiv beginnt und in den Pyrenäen endet.

Vom historischen Jakobsweg ist nicht mehr viel übrig, doch einige wenige Abschnitte sind erhalten. Dazu zählen auch einige Brücken.

Die Via Podiensis verfügt über viele Herbergen in jeder Preisklasse. Dafür, das Frankreich eigentlich ein teures Reiseland ist, ist das Pilgern recht günstig.