Via Turonenis

Karte Via Turonensis

Von Hk kng – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3887804

Via Turonensis: Wegbeschreibung

Die Via Turonensis führt von Paris durch Orléans, Tours, Poitiers und Bordeaux nach Ostabat in der Nähe der spanischen Grenze.

Sie ist 885 Kilometer lang und größtenteils flach. Deswegen eignet sie sich hervorragend für Jakobsweg-Anfänger und für Radfahrer.

Der nördlichste der vier historischen Jakobswege durch Frankreich bestand bereits im Mittelalter, als er eine königliche Handelsstraße zwischen Russland und Spanien war. Damals starteten die Pilger noch in Orléans, heute in Paris.

Von Paris können die Wanderer über Orléans pilgern oder alternativ über Chastres. Beide Teilstrecken enden in Tours.

Die Via Turonensis ist zu weiten Teilen identisch mit der Via Regia und dem GR 655. Wer will, kann Tours, die Stadt des Heiligen Martin, über den Martinusweg erreichen, der in Ungarn startet und quer durch Mitteleuropa führt.

In Ostabat endet der Weg und vereint sich mit der Via Lemovicensis und der Via Podiensis. Von dort geht es weiter nach Saint-Jean-Pied-de-Port.

Der Jakobsweg führt durch naturbelassene Landschaften und durch pulsierende Städte. Auf der Strecke finden sich zahlreiche Kathedralen und Abteien.

Via Turonensis Etappen

Eine gute Übersicht über die Etappen und Varianten gibt es in der Wikipedia. Eine detailliertere Auflistung mit Kilometer- und Höhenangaben gibt es auf dieser Seite.

Die Etappen sind zwar flach, aber sie haben es in sich. Einige davon betragen um die 30 Kilometer, einzelne sogar 35 Kilometer, die du am Tag bewältigen musst.

Via Turonensis Herbergen

Auf der Website von Jakobus Franken gibt es eine Liste an Herbergen, die zuletzt 2019 aktualisiert wurde.

Eine weitere Liste gibt es auf einer französischsprachigen Website.

Für eine Übernachtung bieten sich auch Gästezimmer an.

Via Turonensis Reiseführer

Für genauere Informationen empfehle ich ein gutes Buch. Folgende Reiseführer sind aktuell im Handel erhältlich:

Topoguide Sentier vers Saint-Jacques-de-Compostelle via Tours. Mit den Wanderführern von Topoguide habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie zeigen eine übersichtliche Karte von jeder Etappe an und bieten Wegbeschreibungen auf Französisch.

La Voie de Tours von F. Lepère. Dieses Buch ist nur zu empfehlen, wenn dein Französisch recht gut ist. Denn der Fokus dieses Guides liegt in extrem detaillierten und langen Etappenbeschreibungen. Mit diesem Buch kannst du dich gar nicht verirren. Wenn du den Artikel kaufst, kannst du dich in den monatlichen Newsletter des Autors eintragen, der Informationen rund um die Jakobswege in Frankreich bietet.

Von Miam Miam Dodo erscheint im Dezember 2020 erstmals ein Wanderführer für die Via Turonensis. Ebenfalls in französischer Sprache.

Via Turonensis Erfahrungen

Im WebArchive findet sich der ausführliche Pilgerbericht eines katholischen Priesters.

In englischer Sprache habe ich einen langen Bericht von einer Frau gefunden.

Beide Berichte sind schon etwas älter.

Via Turonensis: Sehenswerte Orte

Paris

Startpunkt ist in Paris am Turm Saint-Jacques, Überbleibsel einer abgerissenen Kathedrale aus dem Mittelalter. Von dort geht es weiter durch die Rue Saint-Jacques zur Pfarrkirche Saint-Jacques-de-Haut-Pas und von dort Richtung Stadtrand.

Der Turm Saint-Jacques in Paris
Der Turm Saint-Jacques in Paris, Von Rodney – Tour Saint-Jacques, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37681933

Es bietet sich an, einige Tage früher anzureisen und die Hauptstadt Frankreichs zu besichtigen.

Die zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie der Louvre oder der Eiffelturm sind einen Besuch wert. Wandern üben kannst du in den Gärten und Parks, etwa dem Jardin de Luxembourg.

Selbst wenn einige Sehenswürdigkeiten besser mit der Metro zu erreichen sind, eignet sich Paris wunderbar für Spaziergänge durch die einzelnen Stadtviertel oder am Ufer der Seine entlang.

Nicht entgehen lassen solltest du dir die Pariser Küche. Während du in studentischen Vierteln recht günstig Essen kannst, hast du in nobleren Restaurants die Aussicht auf echte französische Haute Cuisine.

Falls du keinen Wanderführer für die Via Turonensis eingepackt hast, kannst du dir in einer Buchhandlung ein französisches Exemplar besorgen. Komplettiere in Outdoor-Läden deine Ausrüstung, wenn es notwendig ist.

Orléans

Bekannteste Tochter der Stadt ist die Jungfrau von Orléans, Jeanne d’Arc, die während des Hundertjährigen Krieges den Franzosen zum Sieg über die Engländer verhalf. Sie starb später einen schrecklichen Tod auf dem Scheiterhaufen in Rouen und wird heute als Märtyrerin und französische Nationalheldin verehrt.

Jeanne d'Arc Miniaturgemälde
Jeanne d’Arc Miniaturgemälde, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123841

Orléans liegt an der Loire, hier kannst du gemütlich spazieren gehen.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehört das Haus von Jeanne d’Arc, in dem sie zwei Monate lebte.

Zentral gelegen ist die monumentale Kathedrale Sainte-Croix d’Orléans, an der ab 1601 fast 250 Jahre lang gebaut wurde und die nur unwesentlich kleiner ist als Notre-Dame in Paris.

Poitiers

Im Frankenreich eine bedeutende Stadt, zeugen noch heute eindrucksvolle Bauten von der Vergangenheit. Neben Spuren der keltischen Kultur sowie einem neolithischen Dolmen finden sich römische Relikte und mittelalterliche Befestigungsanlagen. Sehenswert sind die Fachwerkhäuser in der Altstadt, das Rathaus und der Justizpalast. Kunsthistorisch interessant sind die Kirche Notre-Dame la Grande im romanischen Baustil sowie die Kathedrale St. Pierre, begonnen im romanischen, vollendet im gotischen Baustil.

Der Dolmen von Poitiers
Der Dolmen von Poitiers, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1173363

Der berühmte poststrukturalistische Philosoph Michel Foucault erblickte in Poitiers das Licht der Welt.

Die Stadt ist für die Schlacht bei Tours und Poitiers bekannt, die im Jahr 732 zwischen den Franken und den Arabern geschlagen wurde. Die Plünderungen der feindlichen Invasoren konnte mit einem Sieg der Franken unter Karl Martell gestoppt werden und die Araber zogen sich nach Süden zurück.

Im Geschichtsunterricht haben wir gelernt, dass die Schlacht von Tours und Poitiers ein welthistorisches Ereignis gewesen wäre, dass mit dem Sieg eine Islamisierung des Abendlandes verhindert worden wäre. Doch heutige Historiker betrachten dieses Ereignis als nicht ganz so bedeutend. Die große Weltpolitik spielte sich damals in Byzanz ab, das Frankenreich war für die Araber nicht von großem Interesse.

Tours

Tours liegt im Tal der Loire, bekannt für die zahlreichen atemberaubenden Schlösser. Auch ich saß einst an den Ufern des Flusses und bewunderte die Prachtbauten.

Der berühmteste Sohn der Hauptstadt des Départements Indre-et-Loire ist der Heilige Martin. Seit dem Jahr 372 war er Bischof in Tours, zuvor diente er als Soldat dem römischen Kaiser. Aufgrund der Rechtschaffenheit des Heiligen Martin wendeten sich viele Einwohner dem Christentum zu. Er errichtete Kirchen und Klöster, darunter das erste des Abendlandes in Ligugé.

In der Basilika Saint-Martin ruhen seine Gebeine. Sehenswert ist zudem die Kathedrale Saint-Gatien, die dem ersten Bischof von Tours geweiht ist.

Das Grab des Heiligen Martin in Tours
Das Grab des Heiligen Martin in Tours, Von Tipoune – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5614972

Eine weitere bekannte Persönlichkeit ist der schreibwütige große Schriftsteller Honoré de Balzac, der für seinen 88-bändigen Romanzyklus „Die menschliche Komödie“ bekannt ist. Er wurde in Tours geboren. Kenner schätzen diese Werke als sehr genaue Porträts des Lebens im 19. Jahrhundert.

Tour ist für seine mittelalterlichen Straßenzüge in der Altstadt bekannt, die du bequem zu Fuß erkunden kannst. Westlich davon findest du den schönen Botanischen Garten.

Die Stadt verfügt über eine Universität, eine Oper und ein Symphonieorchester.

In kulinarischer Hinsicht locken Cafés, Restaurants und Bars. Besonders zu empfehlen ist der Wein der Region Touraine, der international bekannt ist.

Bordeaux

Dein Pilgerweg führt durch eine weitere weinselige Stadt: Bordeaux, Hauptstadt der Region Nouvelle-Acquitaine. Neben dem Rebensaft lockt die Universitätsstadt mit unglaublich vielen Museen und einer berühmten Küche.

Wein aus Bordeaux
Wein aus Bordeaux, Von Berndt Fernow – Selbst fotografiert, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=725985

An der Garonne gelegen ist der Fluß das größte Naturspektakel, der sogar von den Gezeiten des in der Nähe befindlichen Atlantiks beeinflusst wird. Grün gibt es nicht viel in Bordeaux, nur vereinzelte Parks lockern das Stadtbild auf, was typisch für französische Großstädte ist.

Der noch heute bekannte Essayist und Philosoph Michel de Montaigne war Ende des 16. Jahrhunderts Bürgermeister von Bordeaux.

Die Stadt gilt als wunderschön, da sie gepflastert ist mit historischen Gebäuden. Besonders beeindruckend sind die gut erhaltenen Bürgerhäuser.

Fazit

Die Via Turonensis ist wenig bekannt, aber reizvoll. Ein echter Geheimtipp. Sie eignet sich gut für Pilger, die Höhenmeter scheuen, da sie recht flach ist.

Gut geeignet ist sie zudem für alle, die nicht nur in der Natur wandern, sondern auch große Städte kennen lernen wollen. Der Wanderer durchquert auf seiner Wallfahrt alle oben genannten Orte und kann je nach Lust und Laune einen oder mehrere Ruhetage einlegen und die Sehenswürdigkeiten erkunden.

Auf der Via Turonensis sind nicht so viele Pilger unterwegs wie auf der Via Podiensis. Das kommt all jenen zu Gute, die lieber wenige, dafür authentische Begegnungen auf ihrer Wanderung machen wollen. Hier ist noch ein echtes Pilgererlebnis möglich.