Das Wichtigste auf einem Trip auf dem Jakobsweg in Frankreich ist die Ausrüstung. Ohne das richtige Equipment bist du aufgeschmissen und wirst deine Reise verfluchen. Deshalb solltest du dir gut überlegen, was du dir mitnimmst. In diesem Artikel erfährst du alles, was du über die passende Ausrüstung wissen musst.

Achte auf dem Jakobsweg auf das Gewicht

Du wirst jedes Gramm wochenlang schleppen müssen. Nimm deshalb so wenig wie möglich und so viel wie nötig mit. Im Gegensatz zu Städtereisen kannst du dein Gepäck auf dem Jakobsweg in Frankreich nicht bequem im Hostel lagern, während du Sightseeing machst. Du hast immer alles auf deinem Rücken.

Deswegen ist es sinnvoll, wenn du dich mit dem Gedanken des Ultralight-Packens vertraut machst. Damit ist gemeint, möglichst leichte Ausrüstung mitzuführen. Diese ist natürlich teurer, und ich will dir gar nicht raten, alles auf einmal zu kaufen. Aber Ausrüstung von guter Qualität hält oft viele Jahre; es lohnt sich also, im Laufe der Zeit immer mal wieder ultraleichte Gegenstände zu kaufen.

Viele Jakobspilger schwören auf die magische Grenze von 12 Kilogramm. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das ein guter Wert ist. Allerdings hatte ich 12 Kilogramm ohne Wasser und Nahrung. Es geht durchaus auch leichter. Manche gehen nur mit 8 Kilogramm. Das sind dann Leute, die mit nur einer Garnitur Wäsche wandern, kein Buch dabeihaben, den kleinsten und leichtesten Rucksack dabeihaben, keine Bücher, keine Elektronik, kein gar nichts. Ich finde, dass ist nicht nötig, weil der Mensch durchaus in der Lage ist, ein paar Kilogramm zu tragen. Außerdem will man am Abend auch mal ein Buch lesen oder im Internet surfen.

Ich plädiere für ein Gewicht zwischen 10 und 15 Kilogramm. Alles, was darüber ist, ist eindeutig unnötig schwer. Ausnahme: Wenn du mit Zelt, Kochausrüstung und dickem Schlafsack, noch dazu im Winter, reist, kommst du um einige zusätzliche Kilos nicht rum. Mein Bruder hatte auf seinen Trekkingtouren deutlich über 20 Kilogramm dabei, aber der ist auch stark und kräftig.

Die Sache ist, dass du auf dem Jakobsweg in Frankreich so viel gar nicht brauchst. Es gibt ausreichend Pilgerunterkünfte und private Zimmer, sodass du kein Zelt mitschleppen brauchst. Ein leichter Schlafsack oder ein Bettlaken als Ersatz reicht völlig aus. Das brauchst du allerdings auf alle Fälle, da Bettzeug nicht immer vorhanden ist.

Der passende Rucksack für den Jakobsweg

Der Rucksack sollte leicht, robust und bequem sein. Ich selber reise seit Jahren mit einem 50+10 Rucksack. Darin lässt sich alles verstauen und es ist genug Platz für Essen und Wasser. Ich hatte nie so viel dabei, dass der Rucksack aus allen Nähten geplatzt wäre.

Daher ist es überlegenswert, auf einen 35-Liter Rucksack umzusteigen. Damit lassen sich einige hundert Gramm sparen. Allerdings wird der Rucksack immer prall gefüllt sein. Eventuell musst du den Schlafsack unter oder oben dranhängen. Seit zwei Jahren habe ich einen noch größeren Rucksack mit 60+10 Litern. Für den Jakobsweg ist er deutlich zu groß, aber er trägt sich so bequem. Es handelt sich um einen Osprey. Im Gegensatz zu meinem alten Rucksack von Salewa ist das Tragegestell deutlich komfortabler. Vor allem gibt es ein Gitter, das dafür sorgt, dass zwischen deinem Rücken und dem Rucksack Platz ist. Dadurch kann dort Luft zirkulieren und der schwitzende Rücken trocknet schneller.

Wenn du einen derart großen Rucksack kaufst, solltest du darauf achten, dass er mehrere Öffnungen hat. Am besten drei. Eine oben, eine kleine unten und eine in der Mitte. Meinem fehlt leider die in der Mitte, sodass ich immer entweder von oben oder von unten hineingreifen muss. Mein Bruder hat dasselbe Modell, aber mit Öffnung in der Mitte. Wenn er seine 20 Kilogramm gepackt hat, muss er nicht immer alles herausnehmen, sondern kann bequem durch eine der drei Öffnungen das herausnehmen, was er braucht. Das Oberteil des Osprey lässt sich übrigens abmontieren und als Daypack verwenden. Es lässt sich zu diesem Zweck um den Bauch schnallen.

Achte unbedingt darauf, dass du den Rucksack vor deinem Bauch festzurren kannst. Das erleichtert das Tragen sehr. Der Hüftgurt ist am wichtigsten, der Gurt um die Brust hat weniger Auswirkungen. Es ist wichtig, dass du den Gurt auf Höhe deiner Hüfte gespannt hast (nicht um den Bauch).

Manche Hüftgurte haben eine integrierte Halterung für eine Trinkflasche. Das ist gerade auf dem Jakobsweg sinnvoll, weil du so den Rucksack nicht immer abstellen musst, wenn du durstig bist. Ich habe kein derartiges System. Allerdings kann ich kleine Halbliterflaschen auch im Gehen greifen, wenn ich mich ein bisschen verrenke. Da sie klein sind, lassen sie sich im Gehen auch wieder zurückstecken. Bei großen Eineinhalbliterflaschen war das nicht so einfach.

Sichere Schuhe für den Jakobsweg

Die Schuhe sind neben dem Rucksack dein wichtigster Ausrüstungsgegenstand. Du wirst jeden Kilometer in ihnen laufen. Auf dem Jakobsweg sieht man vier Arten von Schuhen: Große Alpinstiefel, kleinere Wanderstiefel, Turnschuhen und Trekkingsandalen. Meine Meinung. Die Alpinstiefel sind nicht nötig, und Turnschuhe sind für Bergpfade nicht geeignet.

Wanderstiefel mit einem guten Schaft und einem guten Profil sind meiner Meinung nach am besten geeignet.

In Gegenden ohne Berge sind auch Trekkingsandalen eine gute Alternative. Hier musst du allerdings bedenken, dass Sandalen nicht so stabil sind wie Stiefel. Ich würde nur dann mit ihnen auf dem Jakobsweg in Frankreich wandern, wenn es nicht übers Gebirge geht und wenn ich unter 12 Kilogramm trage. Auf meiner Pilgertour hatte ich ein Modell von Meindl, mit dem ich sehr zufrieden war. Ich hatte sie frisch gekauft und kaum getragen, hatte auf dem Pilgerweg aber fast keine Probleme.

Du solltest beim Kauf darauf achten, dass deine Zehen nirgendwo anstoßen. In guten Schuhgeschäften gibt es oft einen kleinen Parcours, der eine gebirgige Landschaft simuliert. Nutze das aus, und gehe mit verschiedenen Modellen darauf auf und ab. Selbst wenn du nur mit dem kleinen Zeh anstößt, solltest du ein anderer Produkt nehmen, weil du sonst an der Stelle schnell Blasen bekommst.

Nach dem Kauf solltest du die Schuhe eingehen, auch bei Regen. Dadurch passt sich das Leder an deinen Fuß an.

Empfehlenswert sind Trekkingsocken (ich schwöre auf solche aus Merino-Wolle) oder robuste Arbeitssocken (ich habe welche von Stubai, die genauso gut sind wie Trekkingsocken, aber nicht so schnell trocknen). Manche Wanderer tragen zwei Paar Socken übereinander, angeblich, um Blasen zu vermeiden. Ich habe es nie ausprobiert, und kann daher nicht sagen, ob da was dran ist.

Funktionskleidung für den Jakobsweg

Auf dem Jakobsweg in Frankreich habe ich tatsächlich einen Mann gesehen, der einen riesengroßen Wollponcho anhatte. Tja, auch so kann man sich gegen die Kälte schützen. Wolle ist aber schwer, und bei Regen saugt sie sich voll.

Ich rate eher zu Funktionskleidung, die man nach dem Zwiebelprinzip anlegt. Beim Zwiebelprinzip trägt man mehrere Schichten Kleidung übereinander (wie die Schichten einer Zwiebel). Wird es zu warm, legt man eine Schicht ab, wird es kälter, zieht man eine Schicht drüber. Wichtig dabei ist, dass alle Schichten aus atmungsaktiver Funktionskleidung bestehen, damit der Schweiß nach außen kommt. Eine derartige Schichtung kann so aussehen: Unterhemd – Trekkinghemd – Fleecejacke – Outdoorjacke – Regenjacke. Als ich im Sommer auf dem Jakobsweg war, habe ich kein Unterhemd gebraucht, und geregnet hatte es nie. In der Regel hatte ich ein Trekkinghemd und eventuell die Fleecejacke an. Selten auch mal die Outdoorjacke darüber.

Unterwäsche sollte ebenfalls Funktionskleidung sein, weil sie so nie nass wird. Wer im Winter wandert und eine lange Unterhose braucht, sollte nicht daran sparen, da er sie immer anhaben wird und eine klatschnasse lange Unterhose ja sehr unangenehm wäre.

Trekkinghosen haben oft eine Zipp Off-Funktion, mit der du aus einer langen eine kurze Hose machen kannst. Unbedingt empfehlenswert! Ich persönlich lege Wert auf viele geräumige Taschen. Bei meiner Tour hatte ich auch eine Cargo-Jeans dabei. Ich war damit zufrieden, allerdings beschert sie zusätzliches Gewicht und trocknet nicht so schnell.

Hygieneartikel

Zahnbürste, Zahnpasta und Duschgel dürfen nicht fehlen. Es empfiehlt sich, kleine Mengen davon mitzunehmen. Manche Wanderer sägen sogar den Stiel der Zahnbürste ab, um ein paar Gramm Gewicht zu sparen. Duschgel gibt es in kleinen Reisepackungen.

Wichtig sind Blasenpflaster, daran solltest du nicht sparen. Darüber hinaus brauchst du Sonnencreme, eventuell Mückenspray, Handwaschmittel, Taschentücher und ein paar Medikamente gegen Durchfall, Kopfweh, Erkältung und Fieber.

Technik

Vielen Wanderern reicht ein Smartphone an technischer Ausrüstung aus. Ich habe auf meiner Wanderung selten in die Karten geschaut, da die Wanderwege auch auf Googlemaps zu finden waren. Das Problem ist natürlich der Akku. Deshalb hatte ich noch ein altes Nokia-Handy dabei, dessen Akku länger als eine Woche hält. Einmal hat es mir gute Dienste geleistet, als ich auf dem Campingplatz übernachten musste und der Akku meines Smartphones leer war. Praktisch ist vor allem die Taschenlampenfunktion. Wer das Smartphone zum Photographieren benutzt, spart sich die Kamera und ihr Gewicht. Nützlich ist noch eine Speicherkarte für Bilder.

Wer Schreiben will, braucht eventuell ein leichtes Netbook oder ein Tablet. Für kurze Notizen reicht das Smartphone aber aus.

Handtuch

Als Handtuch hat sich für mich ein ultraleichtes Modell aus Microfaser bewährt. Es trocknet sehr schnell, saugt aber nicht besonders gut die Feuchtigkeit auf. Man muss ein bisschen reiben, damit man trocken wird. Diesen Nachteil nehme ich gerne ich Kauf, um Gewicht zu sparen. Denk auch daran, dass ein normales Handtuch lange zum Trocknen braucht. Das zusätzliche Gewicht durch die Feuchtigkeit musst du mitschleppen und das Handtuch außen am Rucksack zum Trocknen aufhängen.

Schlafsack

Ein leichter Schlafsack ist ausreichend. In den Pilgerunterkünften ist es warm genug, dass du kein Modell für Minustemperaturen brauchst. Alternativ kannst du auch einen normalen Bettüberzug benutzen.

Es ist auch möglich, ausschließlich ein Schlafsack-Inlett aus Seide mitzunehmen und die in den Pilgerunterkünften verfügbaren Decken zu benutzen. Allerdings kannst du dich nicht darauf verlassen, dass es überall Decken gibt.

Trekkingstöcke erleichtern den Jakobsweg

Trekkingstöcke sind nicht unbedingt nötig, vor allem nicht im Flachland. Ich habe aber immer welche dabei. Sie erleichtern das Gehen und entlasten die Knie. Achte bei der Auswahl darauf, dass die Stöcke ausziehbar sind und federn.

Literatur und Karten über den Jakobsweg

Ein kleiner Reiseführer kann nicht schaden, beschert aber zusätzliches Gewicht. Auch hier ist es sinnvoll, das Smartphone zu nutzen. Gleiches gilt für einen Sprachführer und sogar für Karten. Auf Karten verzichten solltest du aber nur, wenn du dir sicher bist, dass du den Akku immer laden kannst. Sinnvoll ist es, wenn du dir im Vorhinein Karten und Streckenführung kopierst. Sobald du eine Etappe hinter dir gelassen hast, schmeißt du das Papier weg.

Auf meiner Wanderung auf dem Jakobsweg in Frankreich hatte ich einen Jakobswegführer dabei. Denn dort sind nicht nur die Routen, sondern auch Pilgerunterkünfte angeführt. Wenn du dir das Gewicht sparen willst, bleibt dir also nichts anderes übrig, als im Vorhinein zu buchen, dir die Adressen rauszuschreiben oder zu kopieren. Oder im Smartphone zu speichern.

Welche Bücher es gibt erfährst du unter Literatur.

Wasserflaschen und Trinksysteme

Ich benutze Wasserflaschen aus Plastik, die ich auffülle und ab und zu auswechsle. Es bieten sich auch Trinkflaschen aus Kunststoff an. Alternativ kannst du Trinksysteme benutzen. Dabei hast du das Wasser in einem Beutel, den du im Deckel deines Rucksacks verstaust. Vom Beutel führt ein Schlauch zu deinem Kopf. Wann immer du durstig bist, nuckelst du daran. Bei einem Trinksystem musst du auf die Hygiene achten und die Schläuche regelmäßig auskochen, damit sich keine Bakterien ansiedeln.

Ich finde, dass damit alles angeführt ist, was an Ausrüstung für eine Wanderung auf dem Jakobsweg in Frankreich nötig ist. Alles andere ist Luxus (ein bisschen davon sollte man sich schon gönnen).